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Viele kennen die 'Tribal Roses' von ihren Auftritten beim "Eschweger Hexenprozess" oder ihrer Friedens Performance im letzten Jahr.
Jetzt können wir mit Katrin Cohrs die Choreografin und Solistin der "Roses" exklusiv für einen Workshop ins Outback holen.

Siehe auch das folgende Interview mit Katrin Cohrs.
Anmeldungen oder Fragen bitte an tribal(ät)intaktverein.de
Veranstaltet vom intakt eV



























Telefon Interview mit Katrin Cohrs
Hintergrund klar

Wolf:
Katrin, du bietest hier im Outback einen Tribal Dance Workshop an.
Was dürfen wir uns darunter vorstellen ?

Katrin:
Wörtlich übersetzt heißt es ja Stammes Tanz, - wobei es diese Bedeutung heutzutage fast verloren hat, so informiert Google ja über 'American Tribal Dance': Eine Mischung aus Bauchtanzelementen und Pop-Choreografien.
Das ist nicht das, was ich anbiete.
Ich versuche an,- in uns allen vorhandene, Bewegungs-Prägungen unserer Herkunft,- ja auch unserer Vorfahren, anzuknüpfen. Wir alle haben unsere eigenen Bewegungsmuster, die natürlich auch im Tanz zum Ausdruck kommen.


Wolf:

… was immer sehr schön bei den Moondances zu beobachten ist. Alle bewegen sich unterschiedlich, meist alleine tanzend und in sich gekehrt. Gemeinsamer Nenner ist der Rhythmus.
Wie willst du denn an die individuellen Bewegungsmuster rankommen?

Katrin:

Das Wochenende beginnt mit einer intuitiven Phase. Bei einfachen Rhythmen, die ich selbst mit Trommel begleiten werde, sind alle eingeladen in sich hineinzuspüren und für sich herauszufinden: Was sind meine bevorzugten Haltungen und Bewegungen, sind darin Muster zu erkennen. Diese machen wir uns bewusst, tauschen uns darüber tanzend aus, dokumentieren sie sozusagen.
So,- meine Aufgabe ist es nun auch die „versteckten“ Bewegungen zu entdecken. Und dann wird's richtig spannend und meistens auch sehr lustig. Aus diesen bewussten und vorher unbewussten Bewegungen können sich dann längere Abläufe, Sequenzen und ganze Choreos entwickeln.

Wolf:
Das erinnert mich an die Workshops mit Smadar Emor, dabei ging es um Stimmbefreiung. Geht es bei dir um Bewegungsbefreiung?


Katrin:
…hab ich zwar noch nicht so betrachtet, aber ja, wenn das zu leisten ist…
Wichtig wäre noch zu sagen, dass dadurch, dass die Gruppe nachher die individuellen Bewegungen aufgreift und nachahmt, ein sehr schönes Gemeinschaftgefühl entsteht, da sich alle in ihrer Einzigartigkeit wertgeschätzt fühlen.


Wolf:
Was sollen die Teilnehmer mitbringen?

Katrin:
Offenheit, Freude an der Bewegung.... (lacht).

Alles Quatsch. Ich kann nur sagen: Bringt alles mit. Bringt euren eigenen Rucksack von Gewohnheiten, Urteilen, Gewöhnungen an Rhythmen usw. ruhig mit, selbst die „Freude“ an der Nicht-Bewegung. Wie gesagt euren Rucksack, - und da kann man reinschauen und gucken, was wir davon gebrauchen können und was nicht.


Wolf:
Welche Musik wirst Du anbieten?


Katrin:
Ich bring auch meinen Rucksack mit. Bin ja schon über 20 Jahre im Orientalischen Tanz unterwegs und habe z.B. Turkish-Gypsy-Dance mit dem dazugehörigen 9/8-Rhythmus im Gepäck. Keine Angst, es wird kein Bauchtanz-Workshop, sondern wir können, vorausgesetzt wir wollen, auch diverse andere Tanzformen entdecken und etwas Neues, Eigenes daraus kreieren. Das, was sich in einer kleinen Gruppe entwickelt, entwickelt sich ja genauso auf globaler Ebene.

Ich bin überzeugt davon, dass die Menschheit nur durch die Vermischung der „Stämme“ überleben konnte. Und deshalb wird auf Festen verschiedener Ethnien immer zusammen getanzt. Weil man sich so am besten in eine andere Kultur einfühlen kann, (wenn man mal den Sirtaki oder Syrtos mitgetanzt hat, fühlt man, was im Griechen abgeht) und man kommt immer bereichert wieder nach Hause.


Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass Gesellschaften in denen Tanzen verboten war, wie z.B. während der Militärdiktatur in Argentinien oder in islamistisch geprägten Gesellschaften, sich nicht weiterentwickeln und in Stillstand verharren. Und eine Gesellschaft, die ihre „Folklore“ nicht weiterentwickelt, ebenso. Tanz vermittelt Gemeinschaftssinn und Freiheit und ist eine Triebfeder!


Wolf:
Triebfeder?


Katrin:
Ja, im Tanz erleben wir eine Loslösung vom Alltag, werden gestärkt und inspiriert zu Alternativen im ganzen Leben. Als Tänzerin habe ich erlebt, dass die „rituellen Wurzeln meiner Kreativität“ im Tanz liegen. Und es macht mich immer sehr glücklich, wenn ich das mit anderen Menschen zusammen erleben darf.

Wolf:
Na dann los!
Danke Katrin.






Zur Person: Katrin Cohrs ist im Outback bekannt geworden als Choreografin und Solistin der 'Tribal Roses' bei den Aufführungen des Tanz-Schauspiels 'Sie wollen die Hexen brennen!' - die dramatisierte Rekonstruktion der Eschweger Hexenprozesse von 1657.

Sie lebt im Wendland.